Bericht zur Gemeinderatssitzung vom 04.10.2021

Die Gemeinde Köngen wurde durch die Fluglärmkommission Stuttgart erstmals Ende Juli 2021 in Gespräche bezüglich einer neuen Abflugvariante vom Flughafen Stuttgart aus in Richtung Süden eingebunden. Ziel ist es dabei, Räume mit einer hohen Bevölkerungsdichte zu umfliegen.

Die bisherige Abflugroute in Richtung Osten verläuft über den nördlichen Gemarkungsteil der Gemeinde Köngen.

Die neu geplante Abflugroute sieht in 4 Planungsvarianten vor, in einem engeren Kurvenradius über das Waldgebiet „Sauhag“ zu fliegen.

Mit einem, bedingt durch einen engeren Kurvenradius, steigenden Abflugwinkel würden laut der Fluglärmkommission Stuttgart weniger Menschen in der Region durch Fluglärm belastet werden.

Die neue Route soll nur bei Ostwind in Betrieb sein, dies betrifft etwa 30 % aller Abflüge. Nach derzeitigem Stand geht man von bis zu 18 Abflügen auf der neuen Route aus.

Dies wird damit begründet, dass schwerere Flugzeuge weiterhin die bestehende Abflugroute in Ermangelung entsprechender Steigfähigkeiten nutzen müssen. Mit der neuen Route tritt zwar für den nördlichen Gemeindeteil eine gewisse Entlastung ein, aber dadurch, dass die bestehende Route weiterhin genutzt wird ist diese Entlastung nur in begrenztem Umfang vorhanden. Gleichzeitig wird mit der Einführung der neuen Route für den südlichen Gemeindeteil, der ohnehin bereits vom Verkehrslärm der Autobahn A8 und der B313, der künftigen ICE-Trasse und der Güterzugeinschleifung betroffen ist, eine weitere Lärmquelle geschaffen. Weiter kann nicht ausgeschlossen werden, dass mit dem weiteren technologischen Fortschritt und damit auch leistungsfähigeren Triebwerken die Nutzung auch für schwerere Flugzeuge künftig möglich sein wird. Nach Aussage der Fluglärmkommission ist eine Kontingentierung der Fluganzahl im Vorhinein aber möglich.

Auf der Basis eines berechneten Beispielfluges stellt sich die Lärmzunahme wie folgt dar:  Eine Lärmzunahme würde im Bereich der Erwin-Rath-Straße je nach Variante der neuen Flugroute zu einer Lärmerhöhung im Bereich zwischen 3,7 und 6,5 dB/A führen. Im Bereich des Brucknerweg läge die Lärmzunahme im Bereich zwischen 4,7 und 7,4 dB/A während sie z.B. im Bereich des Stöffler-Platz zwischen 0,9 und 3,4 dB/A sinkt. Am stärksten betroffen wären jedoch die Aussiedlerhöfe im südlichen Gemeindeteil, welche mit einer Lärmzunahme im Bereich zwischen 8,4 und 19,7 dB/A zu rechnen hätten.

Alle vorgelegten Berechnungen wurden von den beteiligten Fluggesellschaften selbst erstellt, da dort die erforderliche Software vorhanden ist.

In Summe kann davon ausgegangen werden, dass rund 3500 Personen in Köngen neu belastet werden, während für die restlichen Einwohner keine signifikante Verbesserung der Lärmsituation eintritt.

Weiter muss gesehen werden, dass die Flugzeuge auf der alten Route in einer Höhe zwischen 1.800 und 2.300 Meter über Köngen fliegen. Auf der neu geplanten Route beträgt die Flughöhe bei allen Varianten lediglich 1.000 Meter.

Es wurde in der Vorstellung durch die Fluglärmkommission dargestellt, dass ein Airbus A320 rund 200 Kilogramm an CO2-Emmissionen pro Flug einsparen könnte, wenn dieser auf der neuen Route fliegt. Eine Aussage, wie diese Einsparung berechnet wurde fehlt bisher.

Die Gemeinden in der Region sind nun aufgefordert bis zum 15.10.2021 eine Stellungnahme abzugeben. Im weiteren Verfahren ist vorgesehen, dass die Fluglärmkommission in ihrer Sitzung vom 02.11.2021 eine Empfehlung über eine der geplanten Varianten oder die Nichtnutzung der neuen Route an die Deutsche Flugsicherung (DFS) abgibt. Bedauerlicherweise wurden die Kommunen erst nach vierjähriger Planungszeit in die Diskussion eingebunden und sollen nun bis zum oben genannten Termin ihre Stellungnahme abgegeben. Bürgermeister Ruppaner und die Gemeinderäte kritisierte diese Vorgehensweise.

Der Gemeinderat hat nach der ausführlichen Präsentation durch die Fluglärmkommission und einer intensiven Diskussion die folgenden Eckpunkte einer Stellungnahme der Gemeinde Köngen beschlossen:

Die Gemeinde Köngen kann den veränderten Abflugrouten nach TEDGO von der Startbahn 07 des Stuttgarter Flughafens nicht zustimmen, da für die Gemeinde Köngen die folgenden Fragestellungen noch ungeklärt sind:

1. Es fehlt eine Gesamtlärmbetrachtung aller Verkehrslärmquellen, um eine faire Lastenverteilung in der Raumschaft und insbesondere innerhalb der Gemeinde prüfen zu können.
2. Es fehlen nachvollziehbare Berechnungen der CO2-Minderungen.
3. Es ist unklar, ob mit der Veränderung der Flugrouten eine Kapazitätserhöhung des Flughafens verbunden ist (Wirtschaftlichkeit des Flughafens).
4. Es fehlt die Antwort auf die Frage, ob mit modernen Triebwerken eine stärkere Frequentierung der Route eintreten wird.
5. Es fehlt eine Berechnung zur Rolle des Ostwindes bei der Schallausbreitung.
6. Eine natur- und artenschutzrechtliche Würdigung der Auswirkungen des Überflugs über das Naherholungsgebiet „Sauhag“ liegt nicht vor.
7. Es ist nicht bekannt, ob der Stellenwert der Erholungsfunktion des Waldgebietes „Sauhag“ berücksichtigt worden ist.
8. Es ist nicht erkennbar, worin das „Mehr“ an Flugsicherheit begründet wird.

In diesem Zusammenhang hat der Gemeinderat weiterhin beschlossen, dass gegenüber der Fluglärmkommission folgende Forderung der Gemeinde Köngen vorgetragen werden:

1. Beantwortung und Klärung der offenen Fragestellungen.
2. Aufnahme der Gemeinde Köngen in die Fluglärmkommission, da die Gemeinde Köngen nicht nur Mitsprache-, sondern Mitbestimmungsrechte erhalten will (Keine Fremdbestimmung).
3. Erprobungsflüge mit Schallmessungen vor und nach den Veränderungen.
4. Regelmäßige Evaluation der Auswirkungen.
5. Gesamtbeurteilung der Situation durch neutrale Institutionen.
6. Vertagung der geplanten Entscheidung zum 02. November 2021


Präsentation Gemeinderat: Routenanpassung TEDGO gemeinsames Lärmkonzept für die Region Fildern (6,966 MiB)

Präsentation Gemeinderat: Neue Abflugverfahren und Flugroutenanpassung am Flughafen Stuttgart (880,5 KiB)